Sonderabschreibungen sind zusätzliche Abschreibungen, die neben der regulären AfA in Anspruch genommen werden können. Sie verlagern Aufwand in die ersten Jahre, mindern so die Steuerlast und verschaffen Liquidität. Die wichtigste Sonderabschreibung für kleine und mittlere Betriebe ist die Sonder-AfA nach § 7g EStG von bis zu 40 % – kombinierbar mit dem Investitionsabzugsbetrag von bis zu 50 %.
Sonder-AfA-Rechner mit Steuervorteil
Der Rechner vergleicht die Steuerbelastung mit und ohne Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibung über die gesamte Nutzungsdauer – für Einzelunternehmen (Einkommensteuer 2026, Gewerbesteuer mit Anrechnung) und Kapitalgesellschaften (Körperschaftsteuer inkl. der ab 2028 sinkenden Sätze). Wer kein IAB nutzen möchte, setzt den Prozentsatz einfach auf 0.
Sonderabschreibung nach § 7g EStG
Bei abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens können im Jahr der Anschaffung oder Herstellung und in den vier folgenden Jahren neben der AfA nach § 7 Abs. 1 (linear) oder Abs. 2 EStG (degressiv) Sonderabschreibungen von insgesamt bis zu 40 % der Anschaffungs- oder Herstellungskosten in Anspruch genommen werden (§ 7g Abs. 5 EStG). Die 40 % gelten für Wirtschaftsgüter, die nach dem 31.12.2023 angeschafft oder hergestellt werden; vorher betrug der Satz 20 %. Die Sonderabschreibung kann beliebig auf die fünf Jahre verteilt werden.
Voraussetzungen (§ 7g Abs. 6 EStG):
- Der Betrieb hat im Wirtschaftsjahr, das der Anschaffung oder Herstellung vorangeht, die Gewinngrenze von 200.000 € nicht überschritten (ohne Investitionsabzugsbetrag). Die frühere Unterscheidung nach Betriebsvermögen bzw. Wirtschaftswert gilt seit 2020 nicht mehr.
- Das Wirtschaftsgut wird im Jahr der Anschaffung oder Herstellung und im darauf folgenden Wirtschaftsjahr in einer inländischen Betriebsstätte des Betriebs ausschließlich oder fast ausschließlich (mindestens 90 %) betrieblich genutzt. Seit 2020 ist auch die Vermietung des Wirtschaftsguts unschädlich.
Ein vorheriger Investitionsabzugsbetrag ist keine Voraussetzung für die Sonderabschreibung. Wurde ein IAB gebildet, bemisst sich die Sonderabschreibung von den um den IAB herabgesetzten Anschaffungskosten. Nach Ablauf des fünfjährigen Begünstigungszeitraums wird der Restwert auf die Restnutzungsdauer verteilt (§ 7a Abs. 9 EStG).
Beispiel: Ein Handwerker kauft im März 2026 einen Transporter für 50.000 € (Nutzungsdauer 6 Jahre). Im Jahr 2025 hat er einen Investitionsabzugsbetrag von 25.000 € (50 %) gebildet. 2026 wird der IAB hinzugerechnet und die Anschaffungskosten werden um 25.000 € herabgesetzt (gewinnneutral). Von der Bemessungsgrundlage von 25.000 € kann er 40 % = 10.000 € Sonder-AfA sowie die reguläre AfA abziehen. Damit sind 2025 und 2026 zusammen bereits rund 38.500 € der Investition steuerlich geltend gemacht.
Investitionsabzugsbetrag nach § 7g Abs. 1 bis 4 EStG
Für die künftige Anschaffung oder Herstellung eines abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsguts können bis zu 50 % der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten bereits vorab gewinnmindernd abgezogen werden. Die Summe der Investitionsabzugsbeträge darf je Betrieb 200.000 € nicht übersteigen. Die Investition muss in den drei folgenden Wirtschaftsjahren erfolgen, sonst wird der Abzug rückwirkend rückgängig gemacht und die Steuernachzahlung verzinst. Ausführliche Informationen finden Sie unter Investitionsabzugsbetrag.
Gemeinsame Vorschriften für erhöhte Absetzungen und Sonderabschreibungen (§ 7a EStG)
(1) Werden in dem Zeitraum, in dem bei einem Wirtschaftsgut erhöhte Absetzungen oder Sonderabschreibungen in Anspruch genommen werden können (Begünstigungszeitraum), nachträgliche Herstellungskosten aufgewendet, so bemessen sich vom Jahr der Entstehung der nachträglichen Herstellungskosten an bis zum Ende des Begünstigungszeitraums die Absetzungen für Abnutzung, erhöhten Absetzungen und Sonderabschreibungen nach den um die nachträglichen Herstellungskosten erhöhten Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Entsprechendes gilt für nachträgliche Anschaffungskosten. Werden im Begünstigungszeitraum die Anschaffungs- oder Herstellungskosten eines Wirtschaftsguts nachträglich gemindert, so bemessen sich vom Jahr der Minderung an bis zum Ende des Begünstigungszeitraums die Absetzungen für Abnutzung, erhöhten Absetzungen und Sonderabschreibungen nach den geminderten Anschaffungs- oder Herstellungskosten.
(2) Können bei einem Wirtschaftsgut erhöhte Absetzungen oder Sonderabschreibungen bereits für Anzahlungen auf Anschaffungskosten oder für Teilherstellungskosten in Anspruch genommen werden, so sind die Vorschriften über erhöhte Absetzungen und Sonderabschreibungen mit der Maßgabe anzuwenden, dass an die Stelle der Anschaffungs- oder Herstellungskosten die Anzahlungen auf Anschaffungskosten oder die Teilherstellungskosten und an die Stelle des Jahres der Anschaffung oder Herstellung das Jahr der Anzahlung oder Teilherstellung treten. Nach Anschaffung oder Herstellung des Wirtschaftsguts sind erhöhte Absetzungen oder Sonderabschreibungen nur zulässig, soweit sie nicht bereits für Anzahlungen auf Anschaffungskosten oder für Teilherstellungskosten in Anspruch genommen worden sind. Anzahlungen auf Anschaffungskosten sind im Zeitpunkt der tatsächlichen Zahlung aufgewendet.
(3) Bei Wirtschaftsgütern, bei denen erhöhte Absetzungen in Anspruch genommen werden, müssen in jedem Jahr des Begünstigungszeitraums mindestens Absetzungen in Höhe der Absetzungen für Abnutzung nach § 7 Abs. 1 oder 4 berücksichtigt werden.
(4) Bei Wirtschaftsgütern, bei denen Sonderabschreibungen in Anspruch genommen werden, sind die Absetzungen für Abnutzung grundsätzlich nach § 7 Abs. 1 oder 4 (linear) vorzunehmen. Ausnahmen: Neben der Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 EStG ist auch die degressive AfA nach § 7 Abs. 2 EStG zulässig, neben der Sonder-AfA nach § 7b EStG auch die degressive Gebäude-AfA nach § 7 Abs. 5a EStG.
(5) Liegen bei einem Wirtschaftsgut die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme von erhöhten Absetzungen oder Sonderabschreibungen auf Grund mehrerer Vorschriften vor, so dürfen erhöhte Absetzungen oder Sonderabschreibungen nur auf Grund einer dieser Vorschriften in Anspruch genommen werden.
(6) Erhöhte Absetzungen oder Sonderabschreibungen sind bei der Prüfung, ob die in § 141 Abs. 1 Nr. 4 und 5 der Abgabenordnung bezeichneten Buchführungsgrenzen überschritten sind, nicht zu berücksichtigen.
(7) Ist ein Wirtschaftsgut mehreren Beteiligten zuzurechnen und sind die Voraussetzungen für erhöhte Absetzungen oder Sonderabschreibungen nur bei einzelnen Beteiligten erfüllt, so dürfen die erhöhten Absetzungen und Sonderabschreibungen nur anteilig für diese Beteiligten vorgenommen werden. Die erhöhten Absetzungen oder Sonderabschreibungen dürfen von den Beteiligten, bei denen die Voraussetzungen dafür erfüllt sind, nur einheitlich vorgenommen werden.
(8) Erhöhte Absetzungen oder Sonderabschreibungen sind bei Wirtschaftsgütern, die zu einem Betriebsvermögen gehören, nur zulässig, wenn sie in ein besonderes, laufend zu führendes Verzeichnis aufgenommen werden, das den Tag der Anschaffung oder Herstellung, die Anschaffungs- oder Herstellungskosten, die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer und die Höhe der jährlichen Absetzungen für Abnutzung, erhöhten Absetzungen und Sonderabschreibungen enthält. Das Verzeichnis braucht nicht geführt zu werden, wenn diese Angaben aus der Buchführung ersichtlich sind.
(9) Sind für ein Wirtschaftsgut Sonderabschreibungen vorgenommen worden, so bemessen sich nach Ablauf des maßgebenden Begünstigungszeitraums die Absetzungen für Abnutzung bei Gebäuden und bei Wirtschaftsgütern im Sinne des § 7 Abs. 5a nach dem Restwert und dem nach § 7 Abs. 4 unter Berücksichtigung der Restnutzungsdauer maßgebenden Prozentsatz, bei anderen Wirtschaftsgütern nach dem Restwert und der Restnutzungsdauer.
Weitere Sonderabschreibungen und erhöhte Absetzungen
- § 7b EStG – Sonder-AfA für Mietwohnungsneubau: 5 % jährlich über 4 Jahre, siehe Gebäude-Abschreibung.
- § 7h und § 7i EStG – erhöhte Absetzungen für Gebäude in Sanierungsgebieten und für Baudenkmale: 9 % über 8 Jahre und 7 % über 4 Jahre, siehe Denkmalschutz-AfA.
- § 7 Abs. 2a EStG – arithmetisch-degressive AfA für Elektrofahrzeuge (75 % im ersten Jahr), siehe Abschreibungsmethoden.
Ansparabschreibung nach § 7g EStG (bis 2007)
Bis 2007 gab es statt des Investitionsabzugsbetrags die Ansparabschreibung: eine gewinnmindernde Rücklage von 40 % der Anschaffungskosten neuer beweglicher Wirtschaftsgüter, die spätestens nach zwei Jahren aufgelöst werden musste. Die Sonderabschreibung betrug 20 % und setzte grundsätzlich eine Ansparabschreibung voraus. Mit dem Unternehmensteuerreformgesetz 2008 wurde die Ansparabschreibung durch den Investitionsabzugsbetrag ersetzt. Weitergehende Informationen zur alten Rechtslage unter Ansparabschreibung.
Rückgängigmachung von Sonderabschreibungen
Zur Rückgängigmachung von Sonderabschreibungen bei schädlicher Verwendung siehe das BMF-Schreiben zu Sonderabschreibungen (PDF) und BFH-Urteil vom 4. Juni 2008 (BStBl 2009 II S. 187). Nach § 7g Abs. 6 Satz 2 i. V. m. Abs. 4 EStG ist die Sonderabschreibung rückgängig zu machen, wenn das Wirtschaftsgut im Jahr der Anschaffung oder im Folgejahr nicht mehr zu mindestens 90 % betrieblich in einer inländischen Betriebsstätte genutzt wird.
Wenn Sie steuerliche Hilfe zu Sonderabschreibungen brauchen, wenden Sie sich bitte an Dipl.-Kfm. Michael Schröder, Steuerberater in Berlin.
Sonderabschreibungen im Handelsrecht
Nach § 253 HGB sind Vermögensgegenstände höchstens mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten, vermindert um planmäßige und außerplanmäßige Abschreibungen, anzusetzen. Bei Vermögensgegenständen des Anlagevermögens, deren Nutzung zeitlich begrenzt ist, sind die Anschaffungs- oder Herstellungskosten um planmäßige Abschreibungen zu vermindern. Außerplanmäßige Abschreibungen sind bei voraussichtlich dauernder Wertminderung vorzunehmen; bei Finanzanlagen dürfen sie auch bei vorübergehender Wertminderung vorgenommen werden. Beim Umlaufvermögen gilt das strenge Niederstwertprinzip. Entfällt der Grund für eine außerplanmäßige Abschreibung, besteht ein Wertaufholungsgebot (außer beim Geschäfts- oder Firmenwert).
Seit dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) dürfen rein steuerliche Abschreibungen wie die Sonder-AfA nach § 7g EStG nicht mehr in die Handelsbilanz übernommen werden; der frühere § 254 HGB (steuerrechtliche Abschreibungen) und die umgekehrte Maßgeblichkeit wurden abgeschafft. Steuerliche Wahlrechte können in der Steuerbilanz unabhängig von der Handelsbilanz ausgeübt werden (§ 5 Abs. 1 EStG); die Wirtschaftsgüter sind dann in besondere, laufend zu führende Verzeichnisse aufzunehmen.